24. September 2008

Der Baader-Popcorn-Komplex

Filed under: tv & movies — raduletzgo @ 23:55

Ganze 150 Minuten lang ist der neue Film vom Regiesseur Uli Edel und dem Produzenten Mr. Concorde aka Bernd Eichinger. Das klingt auf den ersten Blick ziemlich solide, jedoch fehlt dem Film leider alles was den Klassiker von Stefan Aust so spannend macht, nämlich die Hintergründe und die Details. Wer das Buch nicht kennt und gleich zum Film bzw. zur Kinokarte greift, um einen Teil des Baader-Meinhof-Komplex zu begreifen ist damit leider völlig falsch bedient.

Fragt sich nur für wen der Film interessant ist? Die, die das Buch gelesen haben kennen den Inhalt sowie das Ende des Films und die, die nur den Film gucken begreifen leider viel zu wenig. Ein Kommentar eines jüngeren Besuchers nach dem Film lautete: „Da hab ich jetzt gar nichts gerafft.“ Okay, außen vor ist natürlich die etwas ältere Generation, die die wilden Anfangsjahre der RAF miterlebt hat.

Wie bereits erwähnt fehlen dem Film hintergründige Details und Kleinigkeiten, wie die Tatsache, dass während der Verhandlung in Stammheim die Rechtsstaatlichkeit in der BRD enorm gefährdet war, wie Baader und Ensslin sich überhaupt kennen gelernt haben, oder das die Polizeikräfte völlig überfordert waren mit dieser neuartigen Situation und das schlichtweg einfach nur schlampig gearbeitet wurde. Anfangs gibt sich Herr Edel noch Mühe möglichst viele detailgetreue Aspekte mit einzubringen, welche aber mit dem Voranschreiten des Films abnehmen.

Natürlich kann man in zweieinhalb Stunden nicht die Hintergründe der Hauptakteure mit einbeziehen, aber dennoch wird für die meisten Kinobesucher, vor allem die jüngeren, heutzutage eher unerklärlich sein was es mit Ho-Ho-Ho Chi Minh auf sich hat, oder wer dieser Baader überhaupt war. Selbst Dutschke und Sartre kommen im Film viel zu kurz bzw. gar nicht vor. Okay, so wichtig waren die Besuche der beiden in Stammheim auch nicht, aber ich hätte es trotzdem gerne gesehen. Na ja, dann warte ich halt auf den „Extended Director’s Cut“ auf DVD.

Es gibt natürlich Momente in denen ersichtlich wird das Ulrike Meinhof und auch die anderen in der Isolationshaft abdrehen. Die Tatsache, dass Meinhof von ihren Kindern in Stammheim besucht wurde, die sie dann komplett fallen lässt, wird im Film nicht erwähnt. Somit bleibt der Wandel zur absoluten Radikalität und die Abspaltung von der Gruppe die im Selbstmord endet relativ offen. Lediglich die Unterbringung der Kinder bei einer Hippiegruppe in Italien während des Aufenthalts im Trainingscamp in Jordanien, sowie der Plan die Kinder anschließend nach Syrien zu schicken versuchen dieses Bild vom Wandel der fürsorglichen politisch engagierten Mutter zur Terroristin die nur noch den Kampf gegen das System sieht, zu zeichnen.

Meines Erachtens nach ist Bruno Ganz (Horst Herold) der beste Schauspieler in diesem Film, auch wenn ich jedes Mal irgendwie an Hitler denken musste sobald er was sagte. Gänzlich enttäuscht war ich von Johanna Wokalek, die etwas überfordert mit der Rolle der Gudrun Ensslin wirkte, sowie von Moritz Bleibtreu der es ebenfalls nicht leicht hatte den cholerischen Baader zu mimen. Wokalek sieht Ensslin leider nur bedingt ähnlich, genauso wie Bleibtreu dem Baader ähnelt und schauspielerisch war das, was von den beiden zu sehen war auch keine Höchstleistung. Wie auch immer, es gibt nur eine Ensslin! Die einzige, die überzeugend wirkt, ist Martina Gedeck als Ulrike Meinhof.

Der Film endet leider nicht so wie das Buch, sondern mit der Exekution von Hans Martin Schleyer, dem damaligen Arbeitgeberpräsidenten, dadurch wirkt die Geschichte ziemlich abgehackt. Mir hat am Ende ein Schlusswort gefehlt, wie zum Beispiel was die zweite und dritte Generation noch für Aktionen gemacht haben, das sich die RAF im Jahre 1998 selbst aufgelöst hat oder wie auch im Buch, dass im nachhinein viele Spekulationen über die letzte Nacht der Stammheimer Insassen aus dem siebten Stock und ihren Selbstmord aufkamen welche sie erst zum Mythos gemacht haben. Das allerdings wollten Edel und Eichinger nicht, da sie mit ihrem Film den Mythos um die RAF endgültig begraben wollten.

Manche Geschichten sind besser in einem Film verpackt und andere besser in einem Buch. Zu letzterem gehört eben der Baader-Meinhoft-Komplex.

Die Feder ist nun mal mächtiger als das Schwert und somit bleibt der Film leider nur die aalglatte Variante von Austs spannendem Werk, aber es wirkt ohnehin etwas affig wenn man versucht diese Thematik in einen Kinofilm zu verpacken. Der Film versucht ein Stück deutsche Zeitgeschichte für die verwöhnte Konsumgesellschaft aufzubereiten welche eigentlich konträr zu dem Grundgedanken der Baader-Meinhof-Gruppe steht. Mit diesem Film ist die RAF endgültig in der multimedialen Konsumgesellschaft des 21. Jahrhunderts angelangt und gliedert sich somit ungewollt in die audiovisuelle Kette zwischen Wikipedia, Youtube, StudiVZ/myspace und dem History Chanel ein. Wer wirklich etwas Interessantes zu dem Thema und zu den Umständen dieser Zeit sehen will, guckt sich die Doku „Aus dem Bilderbuch einer Revolte“ an, oder greift direkt zum Aust.

20. September 2008

Superhero GWB

Filed under: politics — flo3030 @ 03:13

Warum ist Osama immer noch auf der Flucht? Weil der Präsident keine Superkräfte hat! Leuchtet ein. Wer fast an Brezeln erstickt und solch schwerwiegende kommunikative Schwächen offenbart, kann beim besten Willen nicht im Besitz irgendwelcher Superkräfte sein. Allerdings hat George W. Bush das auch nie behauptet; er sei nur ein “ganz normaler Mensch”, “…auserwählt von Gott, um eine Achse des Bösen zu bekämpfen, die eine tödliche Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellt.”

Funny, funny Stuff.

Dinosaur Love Juice

Filed under: tv & movies — flo3030 @ 02:53

Die ganze Öl-Geschichte (“You’re cookin’?”) hat inzwischen ja schon fast einen Bart und auch schon vor “Who killed the Electric Car?” gab es Filme, die sich – wenigstens indirekt – mit der Situation auseinander gesetzt haben. Jedoch gab es bisher keine ordentliche Doku, welche die Geschichte der Ölförderung rekapituliert, den aktuellen Status Quo darstellt, einen Blick in die Zukunft wirft, zahlreiche renommierte Wissenschaftler und Wirtschaftsweise zu Wort kommen lässt, und – vor allem – das Ganze auch noch in einen Zusammenhang bringt.

Das klingt jetzt vielleicht sehr nach nächtlichem n-tv Billig-Edutainment, allerdings erinnert die Doku in ihrer Art schwer an “The Corporation”. Auch das imdb-Ranking spricht für sich und alle Leute die, wie ich, den Wirtschaftsteil aus der SZ/FAZ vor dem Lesen entfernen, freuen sich über weitreichende Erklärungen zum “Peak Oil” und die vielfach verbreiteten Unwahrheiten, die ansonsten auch von der so genannten krediblen Presseabteilung von ARD bis CNN als Realität veröffentlicht werden. Das geht bei bewegten Bildern stillgelegter Ölfelder los und endet bei der Vorgehensweise der Saudis, deren erwartete Fördermenge seit Jahrzehnten gleich bleibt, ohne dort das nach 1967 neue Quellen erschlossen wurden.

In ein paar hundert Jahren wird man sich wohl totlachen, über eine Episode der Menschheitsgeschichte, in der ein Rohstoff, der sich über Millionen von Jahren – auch wenn Öl nur in bestimmten Abschnitten der Erdgeschichte entstand – entwickelte, innerhalb von 200 Jahren, im wahrsten Sinne des Wortes, verbrannt wurde.

Das der Höhepunkt der Förderung in der Vergangenheit liegt, dürfte hinreichend bekannt sein – das Dumme am Öl ist eben, das sich der Boden des Fasses durch die dickflüssige Masse erst dann abzeichnet, wenn eigentlich schon nichts mehr drin ist.

The Oil Crash – A Crude Awakening
Via: Oilcrashmovie.com (Trailer et al)

Supersize my Wallet

Filed under: tv & movies — flo3030 @ 01:04

Morgan Spurlock, bekannt durch Supersize Me, ist zurück. Sein neuestes Machwerk hört auf den Namen “Where in the World is Osama bin Laden?”, hätte aber besser “I travel the World and talk to People about random Shit” heissen sollen – Untertitel: “And you can watch my wife beeing pregnant!”.

Hört sich schwach an, ist es aber nicht unbedingt. Je nach Erwartungshaltung – und diese sollte bei Spurlock, was die journalistische Qualität angeht, nie all zu hoch angesetzt werden – wird man von ihm eben mehr oder weniger gut unterhalten. Dementsprechend angepasst, dürfte man die Investition von 90 Minuten Lebenszeit nicht wirklich bereuen. Teilweise lustig und unterhaltsam, ab und an bildend, sowie von Zeit zu Zeit relativ schockierend plätschert der Film so vor sich hin – was sich schlimmer anhört als es letztendlich ist. Spurlock reist durch die thematisch naheliegenden Ländereien und tut das was man als Zivilist auf der Suche nach Osama eben machen kann: Man fragt einfach mal wo er ist und ob er zuletzt zufällig irgendwo gesehen wurde.

Jeder Reise gehen natürlich Vorbereitungen vorraus, die ebenso dokumentiert sind, wie seine – von der Geburt eines Kindes beeinflusste – Rückkehr. So lernt man ein wenig über Verfahren im eventuellen Entführungsfall, dass Leben verschiedenster Leute in fernen Ländern und …Hausgeburten.

Am Ende nichts was man unbedingt gesehen haben muss, wirklich schaden kann es, angesichts des groben Unfugs der sonst so über die Scheibe flimmert, aber auch nicht.

Via: whereisobl.com (Trailer et al)

17. September 2008

Trapped in the Closet/Drive-Thru

Filed under: music — flo3030 @ 17:13

Vor kurzem hab’ ich mich aus Bullshit-Reasons mit Filmen in Überlänge auseinander gesetzt, zu denen es irgendwann einmal vielleicht auch nochmal einen Eintrag gibt – jedenfalls bin ich im Zuge der „Recherchen” auch über Musikvideos in Überlänge gestoßen. Ob Ihr es glaubt oder nicht, Robert Kelly – es geht hier nicht primär um R. Kelly, auch wenn die Einleitung wohl überlang gerät – hat doch tatsächlich mal etwas halbwegs interessantes ausgeschissen. Ich geb’s ja zu, die Story ist eigentlich schon ein wenig überholt, aber angesichts der Tatsache, dass bald der zweite Teil, bzw. die Kapitel 22-44, erscheint doch wieder aktuell.

Vor ein paar Jahren hat sich unser Pipi-RnB-Proll doch tatsächlich eine recht koole PR-Aktion erlaubt, in dem er den Radiostationen häppchenweise Teile einer HipHopera (Genre-Unwort des Jahrhunderts) vor die sabbernde Kinnlade warf; wohl um sein x-tes Album zu promoten und dem Richter zu beweisen, dass er zumindest noch irgend eine gesellschaftliche Relevanz hat.

Die Geschichte die er erzählt ist relativ komplex, witzig und natürlich trotz allem noch aufgesetzt und klischeebehaftet genug um den üblichen Standard zu halten. Nichtsdestotrotz sticht das Ding aus der ganzen Plärrsuppe ein wenig heraus, einfach schon deshalb, weil es mal etwas anderes ist. Am Ende kam dann ein 42-minütiges Video heraus, in dem der Fly-Believer im Convo-Style, über einen reduzierten Beat mit 2,3 Akkorden, eine Storyline an den Mann bringt, die – oh Wunder – mit dem wahren Leben aber auch rein gar nichts zu tun hat – und das obwohl sich der Gebrauch von Bling, Knarren und nackten Ärschen wirklich in Grenzen hält. Das ist dieses Mal auch wirklich kein Widerspruch, aber klischeebehaftet ist der Kram natürlich trotzdem noch.

Wer es bis hier hin ausgehalten hat (Shoutout an euch Beide!), bekommt jetzt auch noch den Kicker zu lesen: Weil es sich einfach in göttlicher Weise anbietet, hat unser Kindheitsantiheld Weird Al Yankovic das ganze ordentlich durch den Kakao gezogen. Um Yankovics Video vollständig zu verstehen, sollte man zumindest grosse Teile von „Trapped in the Closet” gesehen haben, weil sich die Satire von Al sehr eng am Original anlehnt – zumindest was die Metaebene (Alle mal lachen!) [„...then we drive to the drive-thru, heading off to the drive-thru, we're approaching the drive-thru, getting close to the drive-thru!, almost there at the drive-thru, now we're here at the drive thru, here in line at the drive-thru, did I mention the drive-thru?..."] angeht. Mit viel Liebe zum Detail und sauber eingesungen, macht das Ding R. Kelly schon mehr als nur Konkurrenz. [„...my wife says "maybe we should park..., ...we could just go eat inside.", i said "i'm wearin' bunny slippers, so I ain't leavin' this ride..."]

Es ist jedenfalls gut zu wissen, dass Weird Al ab und an noch solche Bomben raus haut. Für mich mit der Chamilionaire-Verarsche „White & Nerdy” („Ridin’ Dirty”), dass Beste seit der Surgeon/Eat it-Zeit.

Der Trend gibt den Takt vor…

Filed under: music — raduletzgo @ 16:06

Der Trend scheint ja dahin zu gehen, dass DJ’s auf Partys immer öfter verschiede Musikrichtungen “mashup” miteinander kombinieren. So wie das der Herr Klever, der Herr Kid Fresh sowie sein Kollge der Herr J-Bounce machen. Das machen die Herrschaften übrigens sehr gut.

Der Herr Travis von Blink 182 und der Herr DJ AM machen so etwas auch und beweisen mit ihrem Fix your Face Mixtape das sie ebenfalls über einen recht guten Musikgeschmack verfügen, auch wenn sie etwas verspätet damit auftauchen. Rap gemischt mit Electro, Funk, Soul und zum Teil auch Rock.

Natürlich ist dies kein Vergleich mit den drei zuerst genannten Herrschaften, die wirklich alles mischen was die Tanzmuskel in Bewegung setzt, aber immerhin hat es eine solide Basis und ist auch sehr hörbar.

Klever, Kid Fresh und J-Bounce präsentieren für meinen Geschmack die perfekte musikalische Kombination, die sich sehr gut dazu eignet um abzugehen bis alle Kleidungsstücke mit Schweiß durchtränkt sind. Jaa, Schweiß! Wenn man nämlich richtig abgeht, dann schwitzt man auch richtig und wer bei diesen Jungs noch mit chemischen Drogen nachhelfen muss, um auch ja richtig abhotten zu können, der hat zwei grundlegende Dinge nicht verstanden. 1. Drogen, vor allem chemische sind richtig beschissen und machen blöde und 2. Musik kann mitunter auch wie eine Droge wirken. Da vergisst man selbst sein Bier zu trinken.

Nun gibt es hier in Frankfurt so jemand wie den Herrn Katch (Resident im Cocoon/Micro), der macht das ja jetzt mittlerweile auch, nachdem er wohl feststellen musste, dass Sprechgesang nicht seine Stärke ist und er es besser bei seinem DJ-Ding belassen sollte.

Nun wollten die ganzen Kids irgendwann nicht mehr nur Rapmusik hören und so kommt es schon seit längerer Zeit vor, dass in gewissen Frankfurter Clubs erst Rap und anschliessend House gespielt wird (yak!). Also hat sich der Herr Katch einen sehr “schicken” Namen für sein Abendprogramm, welches DJ-Auftritte von verschiedenen Gästen vorsieht (zB. Jan Delay), “einfallen” lassen; “Delorean”. Das es sich hier bei um eine Anspielung einer gewissen Zeitmaschine handelt, welches sein musikalisches Repertoire widerspiegeln soll, muss ich eigentlich nicht erwähnen. Der Name klingt irgendwie ein bisschen scheiße und so hört es sich auch leider an. Für die Mainstream Kundschaft ist es jedoch sehr empfehlenswert, so wie zB. auch Julian Smith im Unity.

Okay, das mag sein, dass es das beste ist was die Affenbande seit langem gehört hat, da es ja wenigstens noch Abwechslung im Gegensatz zu der ganzen “Utz-Utz-Musik” bietet. Dennoch bin ich der Meinung, der Herr Katch sollte das Handwerk den Chefs überlassen und bei seinem HipHop Ding bleiben. Er kommt mir ein bisschen zu sehr “gewollt” rüber.

Kid Fresh und seine Truppe (Lordz of Fitness) haben nicht umsonst unzählige Male die ITF & DMC Championships gewonnen, als sie sich wohl eines Tages entschlossen haben es in Zukunft ordentlich krachen zu lassen. So sind die Jungs nun auf Partys around the world zu bestaunen.  Zu sehen bzw. hören sind die Jungs demnächst bei einer der bald anstehenden Pink Pony Partys. Wer es natürlich nicht abwarten kann, der findet einige Mixtapes untenstehend als Download.

Dj Klever – Traffic Tradeshow Mixtape

Dj Klever – Discobelle.net Mixtape

Dj Klever – Ski Mask Way Mixtape

Kid Fresh – Palms Out Mix Series Volume 6: Winter in Shanghai

Kid Fresh – Micro Mega Mix

Kid Fresh – Discobelle Mix 1

Kid Fresh – Discobelle Mixin It Up

Kid Fresh & Dj Rafik – Samurai.fm Exclusvie

J-Bounce – Romantic Teenage Gang Graffiti

TRV$ & DJ AM – Fix your Head

Wer sich unbedingt noch Katch antun will, findet einen live Mitschnitt aus dem Micro auf myspace.

7. September 2008

Nas – Untitled

Filed under: music — flo3030 @ 18:05

Schon im Vorfeld kündigte sich an, in welche Richtung das neue Album von Mr. Jones gehen würde. Niemand der über 15 Jahre im Biz is und ähnliches durchgemacht hat, nennt sein Album grundlos N****r, um es kurz vor Release doch noch einer Titeländerung, die angesichts des Cover-Artworks eigentlich gar keine ist, zu unterziehen.

HipHop is Dead war zurecht von Kritikern umjubelt und trotzdem bleibt bei jedem frischen Release ein ums andere Mal die Sorge, ob Nas seinen Status verliert – was sich seinem Bewusstsein keineswegs entzieht(“…n****s is still hatin’, talkin’ that nas done fell off with rhymin’, he’d rather floss with diamonds, they pray ‘please god, let him spit that uzi in that army linen, that shorty doo-wop, rollin oo-wop in the park reclinin’…”). Einen Status der schon lange nicht mehr nur auf “Illmatic” zurück geht, als viel mehr auf eine Karriere die, auch nach eigener Aussage, jeden nach folgenden Rapper beeinflusst hat. Ausgehend von dieser Tatsache und den von “It was written” eingeläuteten Esco-Zeiten, darf man sich ohne weiteres die Frage stellen, welchem Trend sich der Künstler dieses Mal – nicht ganz grundlos – unterwirft.

Irgendwann Ende der 90er versammelte sich das Who-is-Who der amerikanischen Rapszene bei den VMAs von MTV um, unter anderem, der Verleihung des “Best Rap Album of the Year-Awards” beizuwohnen. Ein relativ aufgedrehter junger Nas sass auch im Publikum, erhielt schon vor der Verleihung Schulterklopfen der Kollegen und alle waren sich sicher: Das verkaufsstarke “It was written” würde diesen Titel mit nach Hause nehmen.
Doch es kam anders. Am Ende holte ein gewisser Notorious B.I.G. den Award und startete, nicht zwingend unberechtigt, was bis heute von vielen als legendär bezeichnet wird. Im Moment der Verleihung, sackte Nas in sich zusammen – die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Was dann folgte waren die angesprochenen Esco-Zeiten – nicht weniger als ein Versuch, mit der Zeit zu gehen und sich den Titel als King of New York zurück zu holen. Unter allen Umständen wollte er es sich und jedem anderen beweisen – ein Versuch der in “Hate me Now” gipfelte – bevor er sich, langsam aber sicher, wieder ernsthafteren Themen zu wandte. Spätestens mit “Sillmatic, “Gods Son” und “Streets Disciple” war er, auch im Bezug auf Verkaufszahlen, wieder back on Track.

All das hatte unmittelbaren Zusammenhang zum Beef mit Jay, 50 und Columbia, der Heirat mit Kelis, dem Tod seiner Mutter und der Veränderungen in seiner Heimat. Es gibt nicht mehr viele verschiedene Ausprägungen erfahrener Artists im HipHop/Rap-Biz; die einen werden materialistischer, die anderen politischer. Nas hatte ersteres inzwischen hinter sich gebracht(“…all this fashion and fly jewelry, now makes my eyes teary…”) und so entspricht die aktuelle Entwicklung, ähnlich wie zuvor, weniger der Folge eines Zeitgeistes, als viel mehr einer natürlich gewachsenen Entwicklung.

“Untitled” ist ein extremes Album, ein schwarzes Album, welches sich noch stärker als zuvor mit dem “Bigger Picture” der Situtation der Schwachen – über die Grenzen der Hautfarbe(“…we’re all n****s, we’re all sheep…”) hinaus – auseinander setzt. Soundtechnisch geht das Album nach vorne, wobei ohne Frage erkannt werden muss, das sich Nas der Situation bei DefJam und dem damit verbundenen Zwang der Verkäufe unterzuordnen hat. “Untitled” ist ein verdammt ruhiges, nachdenkliches und trotzdem zeitweise aggressiv politisches Album, das durch vereinzelt überproduzierte Tracks unterbrochen wird und dadurch den Standard von HHID nicht unbedingt halten kann. Wer die Alben von den Dead Prez mag, wird das Kunstwerk allerdings zu schätzen wissen, wurde das Machwerk doch teilweise von Stic und M-1 mitgestaltet.

Absoluter Anspieltip ist das von Marc Ronson(sic!) produzierte “Fried Chicken” auf dem sich Nas und Busta mit Hilfe eines funkigen Downtempobeats über eben diese Kost aus lassen(“… drivin in your bucket seat, all the way from kentucky to fuck with me…”) und interessante lyrische Parallelen ziehen.  Die zahlreichen wirklich starken Stücke, lassen über die vereinzelten, schwächeren Tracks hinweg sehen. Nas-Jünger werden das Album sowieso feiern, Nas-Hater womöglich erst gar nicht anspielen. Übrig bleibt am Ende ein sehr interessantes und persönliches Album, das vielleicht nicht als Klassiker im Gedächtnis bleibt, sich aber trotzdem mit Leichtigkeit, unabhängig der vorhandenen poetischen Grösse, vom Grossteil der Releases dieses Jahres absetzt.

Ein eigenes bzw. Indielabel würde ihm ohne Frage gut tun, nur wer zahlt dann die PR?

DefJam, 2008

Best Worscht in Town!

Filed under: food — flo3030 @ 06:08

Bevor wir unsere erste ordentliche Restaurant/Fresstempel-Review veröffentlichen, geht es noch einmal um Fast Food. Den Frankfurtern werde ich nichts Neues mitteilen, wenn ich schreibe, dass man bei BWIT verdammt gut snacken kann. Nachdem wir nun auch die frischeste Dependance auf der Hanauer Landstrasse besuchten, fühle ich mich fast genötigt, ein paar Zeilen zu verfassen.

Klar ist: Es gibt dort (auch) tatsächlich die best Worscht in Town. Ich weiss nicht ob der Chef inzwischen Franchises vergibt oder sich auch selbst um diesen Laden kümmert, aber jeder Worschtfan kommt hier voll auf seine Kosten. Alle möglichen, verschiedenen Arten von Worscht, Saucen in allen erdenklichen Geschmachsrichtungen und vor allem in unzähligen (7) Schärfegraden lassen dem Besucher das Wasser im Mund zusammen laufen.

Darüber hinaus präsentiert sich der Laden sauber, aufgeräumt – auch hinter der Theke – und die Angestellten sind sich für keine Erklärung oder ein Lächeln zu schade. Zur Mittagszeit wird es in dieser Ecke Frankfurts natürlich ein wenig hektisch, so sollte man den Snackpoint zum genüsslichen Schlemmen in Ruhe, besser ausserhalb dieser Zeiten aufsuchen.

Auch die Preise sind, angesichts der Portionen, mehr als fair, ohne das hier mehr Wert auf Quantität, statt Qualität gelegt wird; ich würde sagen das Verhältnis stimmt. Kurzum: Wer Worscht mag und seinen Verdauungstrakt mal wieder auf Hochtouren bringen will und kann, kommt an BWIT nicht vorbei. Beide Daumen hoch!

Snackpoint 7
Hanauer Landstrasse 220
60314 Frankfurt
Mo-Sa 10-19Uhr

Plebiszit für Obama?

Filed under: politics — flo3030 @ 05:33

So langsam geht es in die heiße Phase: In knapp 60 Tagen schreiten die Bürger der westlichen Grossmacht an die Urnen um über das Schicksal der Präsidentschaftskandidaten, einiger Soldaten und – nicht zuletzt – das Eigene zu entscheiden. Die heiße Phase wird durch die “National Conventions” eingeläutet, von 3 TV-Duellen getragen und endet am 4. November diesen Jahres. Der Spiegel bezeichnet die Wahl als Volksentscheid über den afro-amerkanischen Senator aus Chicago, als Entscheidung zwischen Schwarz oder Weiss, Alt oder Jung und Establishment oder Veränderung.

YouTube Preview ImageWas manch ein Europäer verkennt, ist der schlichte Fakt, dass Amerika mehr ist, als das was der durchschnittliche Altweltler kennt und/oder zu sehen bekommt. Die USA ist nicht New York, Los Angeles, Miami, Chicago, Atlanta und Denver – sondern vor allem Idaho, Montana, Indiana, Texas, Ohio und Nevada.
Wer unserem Wahlsystem Schwächen unterstellt, müsste angesichts des amerikanischen “Electoral College”, in Tränen ausbrechen. Am Ende werden, wie immer, die “Swing States” entscheiden und dies sind bekanntlich, bis auf Pennsylvania, nicht unbedingt jene, die in den letzten Jahren nach Abschluss der Wahlen blau gekennzeichnet waren.

Das die heiße Phase getrost, wie die meisten Wahlkämpfe, als Farce bezeichnet werden kann, ist an dieser Stelle fast schon zweitrangig. Das Obama einen Vizekandidaten nominiert, der gegen McCain haushoch gewinnen müsste, tut genauso wenig zur Sache, wie die Nominierung eines 44jährigen Lifetime-NRA-Mitglieds, das zufälligerweise eine Frau ist.  Das die Nominierung  der weitestgehend unerfahrenen Sarah Palin, im Grunde genommen, ein Affront gegenüber allen eventuellen weiblichen Wählern ist, muss man nicht sofort verstehen, aber zumindest dann, wenn man u.a. herausfindet, das McCain vor kurzem noch gegen “equal pay for equal work” gestimmt hat und Palin, als “Creationist”, natürlich  eine Abtreibungsgegnerin ist. I mean WTF??!?

Man muss sich vorstellen, dass im Falle des Falles, besagte Mrs. Palin im Forbes-Ranking unsere Kanzlerin mit Leichtigkeit von der Spitze der Liste der mächtigsten Frauen der Welt verdrängen würde – denn, bei allem Respekt, es gab schon fittere Kandidaten als McCain.

Apropos Kriegsheld: Warum keiner von Obamas kaukasischem Onkel – der ’45 Buchenwald mit befreit hat – weiss, bleibt ähnlich offen wie die Wahl selbst. Das es noch weitaus weniger um irgendwelche politischen Sachfragen geht, als in Deutschland, ist inzwischen klar. Genauso klar ist, dass die amerikanische Bevölkerung in der Vergangenheit oftmals (für uns) unverständlich gewählt hat: Vor knapp 30 Jahren wurde dort noch gegen die rassenübergreifende Schulbusbeförderung – zumindest in einigen Staaten – protestiert und Richard Nixon hatte kaum Interesse daran, das von Johnson unterzeichnete Bürgerrechtsgesetz ernsthaft umzusetzen. Ob es Reagan, der einem viele Demokraten enttäuschende Carter folgte, besser meinte, ist inzwischen auch keine Frage mehr. 30 Jahre ist ziemlich exakt eine Generation und so schliesst sich der Kreis: Die erwähnten Proteste fanden keineswegs in den Amerikanischen Grossstädten statt und auch sicher nicht in den akademischen Hochburgen des Landes.

Ob sich in den “Swing States” genügend Leute finden, die am Ende ihr Kreuz für einen schwarzen Präsidenten machen? Ich würde nicht darauf wetten – leider ist mir auch niemand bekannt, der dies tun würde (und eine ordentliche Zeitung liest). Zu hoffen bleibt lediglich, dass 80% der Amerikaner, die sich eine Veränderung im Bezug auf die letzten 8 Jahre wünschen, glauben das die Demokraten diesen Job besser machen.

(Das Foto von Palin ist im übrigen ein Fake und Bidens Rede war auf dem DNC eigentlich die bessere, egal was Oprah sagt.)

2. September 2008

Die türkische Frisur

Filed under: bullshit — raduletzgo @ 22:18

Heute war ich seit ungefährt 10 Jahren mal wieder beim Friseur und nein, ich trage keine langen Haare (nur einmal in meinem Leben, aber das war so ne Wette). Bisher habe ich mir die Haare immer selbst geschnitten, da ich entweder in der Vergangenheit noch bei keinem anständigen Friseur war, mir immer verunstaltet vorkam und dementsprechend kein Vertrauen zu diesem Metier aufbauen konnte oder weil ich einfach nur wunderbar damit leben kann, mit einem kurz geschorenen Kopf herumzulaufen. Wenn man ein Kerl ist und nicht gerade so ne angesagte Emo-Frisur haben möchte, dann kann man sich die Haare immer ganz easy mit nem elektrischen Haarscheider selbst zurecht stutzen.

Heute sollte es anders sein. Ich war beim türkischen Friseur und was sagt man, wenn man seit einem Jahrezehnt nicht mehr in nem Friseursalon war “Ich möchte bitte eine Kurzhaar-Frisur haben”, es folgte ein Nicken und der Typ fing an mir die Haare zu schneiden.

Alles klar dachte ich, der Mann weiß was er macht und nach dem Klientel zu urteieln wußte er auch ganz genau was zu tun war. An den Seiten wurde alles mit dem elektrischen Haarschneider relativ kurz geschnitten und oben auf der Schädeldecke hat er dann alles ordentlich lang gelassen. Als ich feststellen mußte, dass er dabei war sein Werk zu vollenden, sagte ich ihm “Oben bitte etwas mehr wegschneiden”. Es folgte ein Zwinkern und er kürzte an der gewünschten Stelle etwas mehr.

Als der gute Mann dann entgültig fertig war, schaute ich in den Spiegel und dachte mir nur “Ouh, shit. WTF?”, aber was sagst Du dann zu nem türkischen Friseur, “Ey Mann, ich seh’ verdammt nochmal aus wie ein Türke”? Wie auch immer, ich guck mir das ganze noch ein paar Tage an und werde dann wenn es sein muß, selber Hand anlegen und alles nach meiner alten Methode, radikal kürzen.

Tja, heute habe ich mal wieder etwas dazu gelernt: Wenn du es kannst, dann schneide dir die Haare gefälligst selbst und kauf dir für den Zehner zwei Kanister Äppler. Damit hat man dann definitiv mehr Spaß!

1. September 2008

Katrina, Gustav und Onkel Toms Hütte

Filed under: politics — raduletzgo @ 11:35

Nach “Kartina” hat sich das Stadbild von New Orleans geändert, die Jazz-Hochburg am Golf von Mexiko ist kleiner, reicher und vor allem weißer geworden. 440.000 Einwohner hatte New Orleans vor “Katrina”, im Frühjahr 2008 waren es nur noch 270.000.

Es ist überwiegend die schwarze Bevölkerung die den kürzeren gezogen hat, da diese in in den von den Überschwemmungen am heftigsten betroffenen Stadtteilen wohnte und mittlerweile umgesiedelt (bis zu 400 Meilen entfernt) wurde. Diese Gebiete hätten zwar saniert werden können (was weitaus billiger gesesen wäre), allerdings hielt man es für sinvoller alles platt zu machen, um neuen Raum zu schaffen. Dieser Plan sieht jedoch vor, dass lediglich nur ein Drittel der Sozialhilfeempfänger in das Viertel zurückkehren, wenn der Neubau fertig ist. Der Rest muß draussen bleiben, frei nach dem Motto “Welcome back – unless you’re black”. via Spiegel online.

“Gustav” ist allerdings keine Naturkatastophe mehr, “Gustav” ist ein Medienevent, das immerhin relativ interessant gegenüber Popstars, Viva und der Fusion der Commerzbank mit der Dresdner Bank zum “nationalen Champion” erscheint. Warum nicht also den ganzen Tag alles darüber im TV präsentieren, ständig neue Berichte von Reportern vor (“Der Sturm ist jetzt fast da” oder “So langsam mekt man, dass Gustav bald auf das Festland trifft, in Havanna war er schon.”) gekoppelt mit Einzelschicksalen sowie Sturm-Expertenmeinungen und natürlich werden ergänzend “Katrina” und ihre Folgen aufgerollt.

Ich weiß warum ich kein TV gucke, es sind doch immer nur Wiederholungen gemischt mit Sensationshascherei! Yaaay!

Montag morgens: ich wünsch mir den Weltuntergang!

Filed under: bullshit — raduletzgo @ 09:06

Als wäre es nicht schon schlimm genug, aber Montage sind einfach nur unsäglich beschissen! Man steht nach dem Wochenende (wenn ich doch nur eins hätte) wieder früh auf um zur Arbeit zu fahren, aber das wäre alles nur halb so schlimm, wenn da nicht diese halbe Stunde Autofahrt zu tätigen wäre. Es kommt mir vor als, …nein, es ist so als ob alle Arschlöcher in ihre Autos gestiegen sind um zur Arbeit zu fahren.

Selbst die Affen, die bisher mit Bus und Bahn gefahren sind haben sich hinter das Lenkrad geklemmt, als würden sie sagen “Komm, heute ist Montag, da nehm ich mal das Auto!”. So wird dann aus einer halben Stunde Autofahrt plötzlich eine Stunde, wenn nicht länger. Überall staut sich die Blechlawine die von Jahr zu Jahr an Zuwachs gewinnt und das macht die Leute irgendwie aggressiv. Entsprechend dieser Aggresivität fahren diese Affen dann auch Auto, es wird gedrängelt und genötigt da jeder  der erste sein will. Anscheinend liebt diese Affenbande ihren Job, da jeder der erste am Arbeitsplatz sein möchte,  na ja vermutlich um möglichst noch kostenlosen warmen Kaffe zu ergattern.

Da wünscht man sich doch gleich den Weltuntergang herbei.