29. Juli 2008

Nas vs. Papa Bear O’Reilly (Colbert Report)

Filed under: music,politics — flo3030 @ 11:16

Reggin pleeeeez – Im Zuge der “Is Fox a racist Network?”-Diskussion war Nas vor kurzem bei Stephen Colbert zu Gast und sprach mit ihm unter anderem über die Petition von colorofchange.org. Der von Bill O’Reilly (The O’Reilly Factor) als “Gangsta”-Rapper titulierte Nas schilderte seine Sicht der Dinge, stellte Colberts “pretty mafioso suit” in Frage und performte schliesslich noch “Sly Fox” vom neuen Album. Interessierten sei für ein besseres Verständnis vor allem der erste Link ans Herz gelegt. Ob Nas besser beim Rappen bleiben sollte, ist weiterhin offen.

1. Juli 2008

Devin the Dude – Waitin to Inhale

Filed under: tv & movies — flo3030 @ 04:21

Wer mit Devin schon Bekanntschaft gemacht hat, wird das Album sowieso feiern – allen Anderen sei gesagt, dass es dieses Mal wieder primär ums Kiffen, Ficken und den täglichen Struggle im Leben geht. Und siehe da, der unterscheidet sich gar nicht all zu sehr vom Struggle bei uns. Gerade das macht dritten Longplayer vom Lieblingsrapper deines Lieblingsrappers so charmant. Bei Interviews gerne als Legende vorgestellt, liefert der Dude ein verdammt locker sitzendes Album ab, welches vor easy-runtergerotzer Poetik nur so strotzt.

Endlich gibt’s mal wieder ‘ne witzige Skitserie, ‘ne ganze Menge Geschichten über Birds – Geschichten die die Grenzen des guten Geschmacks ausloten, diese aber nie überschreiten – und mal wieder einen Künstler dem man einfach zuhören kann und sich ab und an womöglich selbst wieder findet.

Devin pfeift weitestgehend auf die aktuelle Soundmode und gestaltet sein Album gewohnt jazzy und laid-back. Auf reduzierten, zuckersüß geloopten Stücken tobt sich sein Wordflow aus. Von der Highschoolliebe bis zur Tourhoe, wird im grossen Stil mit den Ladies abgerechnet.
Neben einer Menge ernsthafter Lines, wird schnell klar, dass ein Grossteil des Albums mit einem sehr langsamen Augenzwinkern eingespielt wurde. Keine enorme, aber eine sehr runde Produktion. Lieblich zusammen geschusterte Tracks, von denen nicht einer als Ausfall beschrieben werden kann. Die Stücke sind ausgearbeitet – nichts hingespucktes, obwohl „real spit“ das ganze Ding kurz und prägnant beschreibt.

So lassen es sich dann auch Leute wie Snoop und Andre3000 nicht nehmen, zusammen mit Devin zu erläutern, worum es im „Game“ eigentlich geht. Der Dude glänzt als Rollkommando und herzlicher Künstler, ohne das auffällt wie symbiotisch seine Lines ineinander greifen. In zurückhaltender Weise gestaltet der Junge auch den Rest des Albums: Oden an die Frauen anderer Männer und die Greenery; melancholische Stücke zur Einsamkeit und die Frage nach der Sinnhaftigkeit massivstem Hoeverbrauchs.

Die Besonderheit dieses Albums ist, dass es eigentlich gar nichts besonderes ist. So stellt man sich Rap eigentlich vor. Die LP könnte ’97, ’07, oder ’17 erscheinen, abgesehen von der Produktionstechnik, gäbe es keinen Unterschied – und wie liesse sich einfacher erläutern, das es sich hierbei um ein recht zeitloses Stück Musik handelt?

Rap-A-Lot, 2007

K.I.Z. – Boehse Enkelz

Filed under: music — flo3030 @ 01:00

Einige Jahre sind ins Land gestrichen – B-Alben und Patenbeats gehören zu den Standardreleases der Majors. Subs wie Grooveattack oder Subword haben auch schonmal bessere Zeiten gesehen und so schickt sich der Bunker an, Deutschland das zu geben was es mal wieder dringend nötig hat.

Ob die Jungs um Tarek jedoch in einigen Jahren die grossen Locations ausverkaufen, bleibt sicherlich noch eine Weile offen. Die boehsen Enkelz folgen dem Massaker ein knappes halbes Jahr später und was man dafür zu hören bekommt, ist mehr als erwartet: Statt die besten Beats der letzten Monate mit halbgaren Reimen zu bepacken, hat man im Schnellskipdurchlauf den Eindruck, es läge ein Lieblingspoptracksalbum der Jungs vor – doch erhält man schon fast ein Remixalbum mit herzlichen Neuinterpretationen. Technisch gibt es sicher besseres, doch selten kam ein Tape roher, weniger verkopft und doch so schön ausgearbeitet daher. Tracks wie “Tanz” (TANZ!), “Was willst du machen?” (mehrstimmige Hookline) und “Hurensohn” (known classic) haben Eindruck hinterlassen – und trotzdem bleibt man noch skeptisch.

Ohne lange weiter um den heissen Brei herumzureden: KIZ macht Spass! Das Intro deutet die Richtung an und so bekommt man sicke Beats, Raps die einfach rausmüssen („ich reiss bitches auf wie der chefarzt“; „dein konzert is wie ficken – ich komme und schlaf ein“ ), Raps die groesser sind als MTV („ich komm ins battle mit armee wie professor griff“) und Raps die man vielleicht nicht direkt beim ersten Mal verstehen muss („wir brauchen promo, zuend den reichstag an – wer bringt jetzt rap zu den dreissigern?“), zu hören.

Der interessierte Zuhörer hat also spätestens jetzt folgendes registriert: die Beats vom Tape, egal ob man sich bei den Ärzten oder Eurythmics bedient, sind bekannt und eingängig. Shouts an die Stiebers und PE lassen im Gegensatz zu Sektentapes auf weit mehr hoffen und: KIZ besitzt ein Selbstverständis wie es leider nicht jeder Crew zu Grunde liegt; man sieht sich – natürlich – als Teil der Gesellschaft UND als Teil der Deutschrapszene. “Bong verkippt” und “Riesenglied” gehören dahingehend ohne Abstriche wohl zum besten was es im Bereich der Rapsatire je gegeben hat.

Für den “Truthahn” über den Windowlickerbeat zu stylen („gib uns noch ein jahr und rap ist nur noch gerschrei über bass, auf partys pogen, ficken, rinderfleisch und ayran vom fass“) fällt bei der Explosion der einstündigen Entertainment-Bombe gar nicht mehr wirklich auf. Stücke wie “Frei sein” („warum soll ich eigentum respektier’n, wenn mir nix gehört – dann wird dein auto angezündet und dein viertel zerstört – die freiheit nehm ich mir, denn ich kann sie mir nich leisten, ich bin frei zu wählen fuffies oder steine zu schmeissen“) (sic!) spielen eigentlich schon in einer anderen Liga und gäbe es nicht die Neider, die unterstellen KIZ bekommt auf eigenen Beats kein Bein auf den Boden, hätte Rapdeutschland längst neue Helden. Den zahlreichen kleinen unauffaelligen Hints kann der gelernte Zuhörer kaum entkommen.

Es mag in gewisser Weise arrogant klingen, aber ich frage mich gerade wie ein 14/15-jähriger Rapfan dieses Tape erlebt und interpretiert. 12€ wert? Sicher dat!

Royalbunker, 2006