Einige Jahre sind ins Land gestrichen – B-Alben und Patenbeats gehören zu den Standardreleases der Majors. Subs wie Grooveattack oder Subword haben auch schonmal bessere Zeiten gesehen und so schickt sich der Bunker an, Deutschland das zu geben was es mal wieder dringend nötig hat.
Ob die Jungs um Tarek jedoch in einigen Jahren die grossen Locations ausverkaufen, bleibt sicherlich noch eine Weile offen. Die boehsen Enkelz folgen dem Massaker ein knappes halbes Jahr später und was man dafür zu hören bekommt, ist mehr als erwartet: Statt die besten Beats der letzten Monate mit halbgaren Reimen zu bepacken, hat man im Schnellskipdurchlauf den Eindruck, es läge ein Lieblingspoptracksalbum der Jungs vor – doch erhält man schon fast ein Remixalbum mit herzlichen Neuinterpretationen. Technisch gibt es sicher besseres, doch selten kam ein Tape roher, weniger verkopft und doch so schön ausgearbeitet daher. Tracks wie “Tanz” (TANZ!), “Was willst du machen?” (mehrstimmige Hookline) und “Hurensohn” (known classic) haben Eindruck hinterlassen – und trotzdem bleibt man noch skeptisch.
Ohne lange weiter um den heissen Brei herumzureden: KIZ macht Spass! Das Intro deutet die Richtung an und so bekommt man sicke Beats, Raps die einfach rausmüssen („ich reiss bitches auf wie der chefarzt“; „dein konzert is wie ficken – ich komme und schlaf ein“ ), Raps die groesser sind als MTV („ich komm ins battle mit armee wie professor griff“) und Raps die man vielleicht nicht direkt beim ersten Mal verstehen muss („wir brauchen promo, zuend den reichstag an – wer bringt jetzt rap zu den dreissigern?“), zu hören.
Der interessierte Zuhörer hat also spätestens jetzt folgendes registriert: die Beats vom Tape, egal ob man sich bei den Ärzten oder Eurythmics bedient, sind bekannt und eingängig. Shouts an die Stiebers und PE lassen im Gegensatz zu Sektentapes auf weit mehr hoffen und: KIZ besitzt ein Selbstverständis wie es leider nicht jeder Crew zu Grunde liegt; man sieht sich – natürlich – als Teil der Gesellschaft UND als Teil der Deutschrapszene. “Bong verkippt” und “Riesenglied” gehören dahingehend ohne Abstriche wohl zum besten was es im Bereich der Rapsatire je gegeben hat.
Für den “Truthahn” über den Windowlickerbeat zu stylen („gib uns noch ein jahr und rap ist nur noch gerschrei über bass, auf partys pogen, ficken, rinderfleisch und ayran vom fass“) fällt bei der Explosion der einstündigen Entertainment-Bombe gar nicht mehr wirklich auf. Stücke wie “Frei sein” („warum soll ich eigentum respektier’n, wenn mir nix gehört – dann wird dein auto angezündet und dein viertel zerstört – die freiheit nehm ich mir, denn ich kann sie mir nich leisten, ich bin frei zu wählen fuffies oder steine zu schmeissen“) (sic!) spielen eigentlich schon in einer anderen Liga und gäbe es nicht die Neider, die unterstellen KIZ bekommt auf eigenen Beats kein Bein auf den Boden, hätte Rapdeutschland längst neue Helden. Den zahlreichen kleinen unauffaelligen Hints kann der gelernte Zuhörer kaum entkommen.
Es mag in gewisser Weise arrogant klingen, aber ich frage mich gerade wie ein 14/15-jähriger Rapfan dieses Tape erlebt und interpretiert. 12€ wert? Sicher dat!
Royalbunker, 2006